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Am Eyser

Es dürfte wohl kaum ein zweites Haus in Düssel geben, welches eine so sturmbewegte Zeit hinter sich hat, wie dieses ehemalige ev. Kirchlein.

1644 nahmen die Reformierten nach Abzug der niederländischen Truppen dieses katholische Küsterhaus „am Eyser“ in ihren Besitz. Damals war der kath. Küster auch gleichzeitig Schulmeister. In dem Haus „am Eyer“ wohnte der Küster und war die kath. Schule untergebracht. 1639 hatte diese Schule eine gewisse Berühmtheit erlangt. Allerdings wurde diese Berühmtheit 1562 eingeschränkt durch die Verhaftung des Schulmeisters Johann zum Kolk wegen Mordes.

1540 war ganz Düssel mit Ausnahme von fünf Familien zu den Reformierten übergetreten. Anno 1653 war das Haus reparaturbedürftig und für Gottesdienste zu klein. Man erhielt die Genehmigung zur Reparatur, aber das ganze Gebäude war marode. Man wollte es abreißen und ein neues bauen. Die kath. Kirche erhob beim Landesherrn dagegen Beschwerde. „Der Bau stehe noch über dem hohen Altar seiner Kirche und zwar so nahe, dass die Katholiken von Wort zu Wort des Predikanten Sermon zu der wenigen katholischen Seelen Ärgernis hören müssten“. Zwar hätten die Reformierten das Zugeständnis gemacht, zwischen den beiden Kirchen eine hölzerne Scheidewand aufzurichten, um den Schall abzudämpfen. Aber auch das sei nicht geschehen. Im September 1654 wurde dann der Weiterbau vom Landesherrn verboten. Trotz vergeblicher Bemühungen der Reformierten beim Solinger Amtmann sowie beim Klassenkonvent in Düsseldorf blieb aber das Kirchenhaus eine unvollendete Ruine, die man nur durch ein Notdach vor dem völligen Verfall schützen dürfte.

Endlich am 24. Februar 1682, also nach 29 Jahren, konnten die Reformierten die Bauarbeiten wieder aufnehmen und das Haus fertig stellen. Prediger und drei Gemeindeälteste beschafften das Bauholz bei den Bauern. Finanziell wurden die Reformierten von Mülheim, Hilden, Elberfeld und Cronenberg unterstützt. Inzwischen hatte der kath. Pfarrer Gladbach wieder Beschwerde eingelegt, weil das Haus 1 ½ Schuh näher an die Pfarrkirche heran gerückt sei. Im Mai 1682 wurde der Bau erneut verboten. Es folgten wieder Eingaben hin und her. Am 13. Dezember 1682 konnte die kleine ev. Kirche fertig gestellt werden- Die Protestanten mussten der kath. Kirche aber Schadenersatz in Höhe eines Rosennobel (13 Gulden) zahlen. Erneut hat die kath. Kirche Klage erhoben. Nach einem Vergleich im Jahre 1683 konnte der 30-jährige Kampf um das Haus beendet werden.

Die reformierten Junggesellen beschafften das Bauholz für den Predigtstuhl. Wenngleich die Protestanten auch froh über ihr neues Kirchlein waren, mussten doch die hohen Schulden abgetragen werden. In das Gebäude haben die Reformierten dann eine eigene Schule eingerichtet, so dass dort Gottesdienste abgehalten und Kinder unterrichtet werden konnten. Als Stätte der Anbetung hat es dann stark 200 Jahre gedient, bis im Jahre 1876 die neue Kirche ihre Pforten öffnete. Danach ging das Gebäude in privaten Besitz über.

So soll nach Aussagen eines alten Düsselers in den unteren Räumen schon mal eine Wirtschaft und ein Ladenlokal gegeben haben. Der Name „am Eyser“ oder „Eyserhaus“ ist darauf zurück zu führen, dass ganz früher im Dorf die Schweine frei herum liefen. Damit diese nicht auf den Friedhof hinter der Kirche gelangen konnten, hatte man Eisenstangen in den in den Boden eingelassen.